Schiffselektrik
Blanker Kupferdraht - Standard in Europa
Verzinnter Kupferdraht - Standard in den USA


Schiffsbau in Europa verwendet in der Schiffselektrik blanke Kupferdrähte.

Blanker Kupferdraht ist in den USA auf Seeschiffen wegen der vorhersehbaren Korrosion nicht zugelassen. Dort verwendet man verzinnten Kupferdraht.

Blanker Kupferdraht

Verzinnter Kupferdraht

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korrodiert sehr schnell, je salzhaltiger, feuchter oder heißer die Luft.

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korrodiert auch unter der Isolierung, egal, ob und wie man das Kabel versiegelt.

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muß z.B. in den Tropen alle 5 Jahre erneuert werden. Sonst wird der Widerstand im Kabel zu hoch.

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korrodiert dagegen kaum.

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korrodiert nicht unter der Isolierung

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muß praktisch nie erneuert werden.

Verzinntes Kupferkabel ist blankem Kupferkabel also immer vorzuziehen. Der geringe Preisaufschlag lohnt sich immer. Späterer Austausch der Kabel ist sehr aufwendig und dauert Tage bis Wochen, falls überhaupt möglich.

Wir würden kein neues Schiff mehr mit blanken Kupferkabeln kaufen und auch kein gebrauchtes Schiff, bei dem nicht wenigstens die Verkabelung der Motorelektrik verzinnt ist.

Oft hört man, verzinnte Leitungen hätten in der Motorelektrik nichts zu suchen. Damit sind aber nicht die durchgängig verzinnten Leitungen gemeint, sondern blanke Kupferdrähte, die man an den Enden gegen Korrosion verzinnt hat. Hierbei tritt zwischen flexiblem unverzinntem Kabel und durch nachträgliche Verzinnung hartem Kabel ein scharfer Übergang auf. Genau an dieser Stelle wird das Kabel früher oder später durch Vibration brechen.

US/Karibik discounter wie Budget Marine oder Island Water World bieten ausschließlich verzinntes Kabel an, z.B. "Anchor" ® USA. Bei zum Test parallel verlegten Kupferdrähten (verzinnt und blank) waren nach 3-5 Jahren die blanken Kupferdrähte auch unter der Isolierung bis zu mehreren Metern schwarz korrodiert. Die verzinnten Leitungen waren blank. In Europa wird das auch auftreten, nur später.

Bezugsquellen Deutschland z.B.
Lappkabel (www.Lappkabel.de)
Helukabel Stuttgart (www.helukabel.de)

Bezugsquellen Karibik z.B.
Budget Marine (www.BudgetMarine.com)
Island Water World (www.IslandWaterWorld.com)
Trinidad Tan Yuk Electrics, West Mall, Port of Spain (sehr preiswert)

Beispiel einer komplette Motor- Verkabelung (2005):

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Helukabel Stuttgart Best.-Nr. 24220: 7 x 1,5 verzinnt, Durchm. 9,6 mm, 100 m = 612 €, Mengen unter 100 Meter möglich. Die Qualität entspricht der US Qualität.

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Ein Kabel ist gelb/grün, alle anderen Kabel sind schwarz, aber numeriert. Der Kabelstrang läßt sich gut einziehen.

Wichtig: Der Kabelstrang geht ohne Unterbrechung von den Anschlüssen am Kontroll- Panel an Deck durch das Schiff zu den Anschlüssen am Motor, ohne Verlängerungen, ohne Steckverbindungen: Stecker oben, dann Kabel, dann Stecker unten, mehr nicht.

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Die Standard- Terminals wurden ersetzt durch vergoldete Flachstecker 6,3 mm und vergoldete offene/geschlossene Ringösen diverser Größen (aus dem Kfz- und Lautsprecherbau). Preis für 20 vergoldete Flachstecker 6,3 mm: 4,95 Euro, Conrad Elektonik (www.conrad.de).

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Die Kabelenden wurden abisoliert, die Drähte um 45 Grad abgebogen und in Lötfett getaucht.

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Die Terminals wurden aufgepreßt und die Drähte am Ende mit etwas Lötzinn (wenig !) am Terminal festgelötet, wobei der Lötzinn nicht weiter fließen darf als bis zum Beginn der Krimpung. Danach fetten, mit Schrumpfschlauch isolieren, fertig.

In derselben Weise wurden alle Batteriekabel erneuert, denn auch blanke Batteriekabel werden nach 5 Jahren in den Tropen schwarz (siehe Bild). Verzinnte Batteriekabel bleiben blank.


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