Mercedes Diesel Motoren


Wir veröffentlichen hier

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generelle Meinungen zu Mercedes Motoren und

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individuelle Berichte von Skippern

Generelle Meinungen im einzelnen:

Zu Mercedes haben wir bisher kaum Informationen erhalten. Scheinbar ist der Marktanteil von Mercedes zu gering, um Aussagen machen zu können.


Individuelle Berichte, wobei je nach Baujahr die Typenbezeichnungen und PS Zahlen leicht unterschiedlich sein können:

Typ

Bauj.

Bericht

OM636

1983

Frank, "Vrijheid"

Mercedes Benz OM636 Diesel stellen eine Ausnahme auf dem Bootsdieselmarkt dar, da sie über einen sehr langen Zeitraum gebaut und sowohl kommerziell als auch privat marinisiert wurden.
Es gab im Lauf der Jahre Hubraumsteigerungen von den 1,7l / 34 PS des 1949er Modell's aus dem 170er Benz auf 1,8l / 43 PS im Jahr 1961, ab da kam der Motor im 180er Ponton Mercedes zum Einsatz.
Der Motor wurde aufgrund seiner Haltbarkeit (500000 Km +++) bis in die späten 80er noch in Taxis von Seat verbaut und blieb als Industriemotor noch bis in die späten 90er im Mecedes Programm, da Seat-Mevosa die Fertigung in Lizenz weiterbetrieb.
Die 636 wurden von diversen Herstellern profesionell marinisiert und als Bootsdiesel verkauft (z.B. DMV-Diesel, Westfield Marine), in Holland wurden viele 636er von einer Werft in Groningen mit grob aussehenden aber sehr haltbaren Teilen aus Eigenfertigung gebaut und die große Schar der Selbstbauer hat ihre Marinisierung mit gebrauchten Motoren aus allen möglichen Quellen selbst durchgezogen. Die meisten Selbstbauer haben ihre Motoren mit den sehr guten Teilen von BOWMAN umgebaut und damit einen guten Standard erreicht (Ersatzteile gibt es alle noch!), während man bei unbekannten Teilen doch schon vorsichtig sein sollte, da sie meist schon ein gewisses Alter haben und oft kein Ersatz mehr lieferbar ist (für die Marinisierung).
Nun zu meinen Erfahrungen mit dem mittlerweile fast 50 Jahre alten Motortyp:
Wir hatten in der Familie in verschiedenen Anwendungen 636 Diesel verbaut (z.B. Traktor Güldner Toledo 1954-34PS-9700Stunden-wird noch genutzt,
Notstromgenerator fürs füllen von Feldsilos 1964-34PS-6769Stunden-nur noch sporadische Nutzung,
12,8m Colin Archer meines Vaters 1981-43PS-5500Stunden-wurde 2006 einwandfrei verkauft und läuft heute noch).
Aktuell habe ich mit dem 636 hauptsächlich aufgrund meines 9,95m S-Spant-Spitzgatters Vrijheid zu tun. Der Motor in der Vrijheid ist von 1983 und hat mit seinem Vorleben in einem Gabelstapler zusammen 4010 Stunden auf der Uhr, von denen ich bisher selbst 215 selbst gefahren bin.
Die Wartung aller mir bekannten 636er erschöpft sich mit regelmäßigem Ölwechsel alle 75 Stunden oder jährlich und dem einstellen des Ventilspiels alle 200 Stunden, wobei man zur selben Zeit für sauberen, sparsamen Lauf die Einspritzdüsen prüfen lassen sollte.
In den mir bekannten 26000 Betriebsstunden von vier Motoren, kann man von problemlosem Betrieb sprechen, da keine ernsten Reparaturen angefallen sind. Der 636 ist damit ein Motor für diejenigen Fahrtensegler, welche bereit sind, ihrem Motor eine systematische vorbeugende Wartung zu geben, da er dann sehr zuverlässig und laufruhig seinen Dienst verrichtet.
Die Erfahrung hat gezeigt, dass man von einem 636 erwarten darf, dass er, wie in einer Wartungsanweisung erwähnt, erst bei 15-16000 Stunden seine erste Generalüberholung braucht, sofern man die sonstige vorbeugende Wartung (Öl, Filter, Ventilspiel und Einspritzdüsen) im Rahmen der vorgegebenen Intervalle macht.
Die Teileversorgung mit Gebrauchtteilen ist in Südamerika billig und gut (Schrottplatz...), in Europa bekommt man bei Ebay fast alles, sogar laufende Basismotoren (ca. 350 - 1000€ je nach Substanz)...
Mercedes selbst hat die meisten Verschleißteile noch im Programm und die Boschwerkstätten können auch helfen. Kolben gibt's billig von Mahle und Nüral, die Anbautechnik wie Starter, Lima und Einspritzanlage bei Bosch. Kurzum gesagt ist die Teileversorgung so gut, dass ich bei einem Neubau heute noch den Oldtimer nehmen würde, was den Teilepreis betrifft, hilft aber nur vergleichen (Kopfdichtung bei Benz 104€ aber beim Landmaschinenschlosser nur 24€)...
Wer sich mit seinem Motor beschäftigt und sich etwas Zeit nimmt (Ebay, z.B. Getriebe...), schafft es heute einen guten Basismotor (unter 4000 Stunden...) für weit unter 5000€ einbaufertig und marinisiert zusammenzustellen!
Was man wissen muss ist folgendes: Ein 636 ohne Ölkühler darf nicht zu schnell auf Touren (über 2200...) gebracht werden, da sonst der Thermostat erst öffnet, wenn der Motor schon fast kocht, wenn er dann über 110°C kommt leidet die Kopfdichtung. In den Tropen ist der Ölkühler sogar obligatorisch, auch wenn das mancher nicht glauben will. Für die Temperatur ist es ebenfalls wichtig, dass man seinen Wärmetauscher bei Bedarf reinigt, speziell wenn der Motor in warmen Gewässern eher selten läuft, ein Muschelpest lässt einem mangels Tauscherleistung sonst im Notfall bei großer Last den Motor zu heiß werden!
Ebenfalls muss man bei der Ersatzteilbeschaffung auf der Hut sein, welche Motorausführung man hat, da sich die Motoren doch unterscheiden, wobei man sie immer zum laufen kriegt, der Arbeitsaufwand ist halt dann teilweise sehr hoch (z.B. Eine Glühkerze defekt, gesamte Vorglühanlage wurde umgebaut, da der Schrottplatz in Rió Barrios nur einen kompletten Zylinderkopf mit einer anderen Ausführung hatte. Der Umbau hat 48 Stunden und viel Schweiß gekostet, aber wir sind ohne Verzögerung vor Anfang der Hurrikansaison aus Guatemala weggekommen. Mit Zollabwicklung und Fracht hätte es wahrscheinlich 14 und mehr Tage gedauert und für ein 20$ Teil 100$gekostet)...
Der OM636 wiegt komplett marinisiert mit Hurthgetriebe so um die 260 Kilo, das ist für einen Motor aus Grauguss in Ordnung, da es der Haltbarkeit und der Laufruhe zu gute kommt.
Der 636 stellt für mich eine Ingenieursleistung dar, welche jedem Ignoranten von z.B. VolvoPenta klarmacht, wie ein guter Marinemotor auszusehen hat. Bzgl. der Marinisierung sollte er sich dann bei E.J. Bowman erkundigen was Qualität bedeutet, anstatt deren Teile aus billigem Material in China nachzubauen.
Fazit: Bei gewissenhafter Wartung ein Ding für die Ewigkeit, man macht sein Pensum und hat dann viel Zeit die Motorgeschädigten der anderen Marine-Motorenhersteller im Urlaub zu bemitleiden. Mein Voreigner ist damit nicht umsonst sorgenfrei rund JanMayen im Nordmeer gefahren, der Mann war Kapitän, hatte ein kleines Maschinenpatent und er wusste was er tat...

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