Unfall- Regulierung durch Kfz Reparaturbetrieb


Vertragshändler oder Kfz-Werkstatt bieten oft Hilfe bei der Regulierung Ihres Verkehrsunfalls an, um den Reparaturauftrag zu bekommen.

Selbst wenn das auf den ersten Blick ganz normal und einfach scheint, verlieren Sie praktisch immer Geld: Werkstätten wissen zwar, wie ein Schaden am Fahrzeug repariert und wie teuer das wird. Von einer fachgerechten Unfallregulierung aber verstehen sie wenig. In der Werkstatt arbeiten Kfz Monteure und Verkäufer, keine Anwälte. Aber wichtiger noch als fehlende Kenntnis ist die Interessenlage:

Eine Werkstatt ist ein Wirtschaftsbetrieb, der in erster Linie an sich selbst denken muß und erst in zweiter Linie an den Kunden. Die Werkstatt wird für Sie mit der Versicherung also immer so regulieren, daß sie hierbei am besten abschneidet. Das ist normal und kein Vorwurf, aber es ist so.

So liegt es im Interesse der Werkstatt, daß die Reparatur möglichst fachgerecht durchgeführt wird, auch wenn das teurer wird als die Versicherung es gerne hätte, denn daran verdient sie. So lange die Versicherung das bezahlt und mit einer solchen Reparatur der Schaden beseitigt wird, kann der Kunde damit zufrieden sein.

Ihr Problem beginnt, wenn die Versicherung eine fachgerechte aber teuere Reparatur nicht bezahlen will. Die Werkstatt wird sich Ihretwegen mit der Versicherung nicht streiten. Sie ist nicht Ihr Anwalt, sondern Ihre Werkstatt, die mit der Versicherung auskommen will und manchmal auskommen muß.

Erhält die Werkstatt gar Reparaturaufträge von Versicherungen direkt, so wie neuerdings bei Kasko- Schäden oder gar dem sogenannten "Unfall- Management" (siehe ADAC Berichte), dann kann sich eine Werkstatt einen Widerspruch gar nicht leisten. Dann wird sie genau so reparieren, wie der Versicherungs- Sachverständige ihr das vorschreibt.

Voraussichtlich ab 01.07.2007 dürfen Werkstätten mit der gegnerischen Versicherung ihre eigenen Reparaturkosten und die allgemeine Schadenpauschale abrechnen. Aber das ist nur ein Teil Ihres Schadens: Es bestehen nämlich zusätzlich erhebliche weitere Schäden wie Minderwert oder Nutzungsentschädigung, die neben den reinen Reparaturkosten bis zu vielen hundert Euro pro Schaden ausmachen können. Um diese Schäden wird sich die Werkstatt meist nicht kümmern, denn daran verdient sie nichts. Mehr noch, sie müßte eigenes Geld aufwenden: Schulung der Mitarbeiter, Telefonate und Schriftwechsel mit der Versicherung, wofür sie weder vom Kunden noch von der Versicherung etwas bekommt. Eine Werkstatt kann natürlich keine Leistung erbringen, die nicht bezahlt wird.

Weil sich die Werkstatt also nur um solche Schäden kümmern kann, an denen sie Geld verdient, und weil dieser Interessenkonflikt immer zu Lasten der Kunden geht, hat der Gesetzgeber den Werkstätten unter Androhung von Geldstrafen untersagt, Unfallschäden geschäftsmäßig zu regulieren, selbst wenn der Kunde das will.

Jeder sollte nur das tun, wovon er etwas versteht, also

1. der neutrale Gutachter soll neutral begutachten,
2. die Werkstatt soll nach dessen Vorgaben fachgerecht reparieren, und
3. der Anwalt soll die Ansprüche des Geschädigten durchsetzen,

und nicht umgekehrt. Der Kunde sollte von keiner Werkstatt etwas verlangen, was sie nicht kann.

Ganz sicher ist: Wenn Sie der Werkstatt die Regulierung überlassen, bekommen Sie im Schnitt zwischen 250 und 500 Euro zu wenig von der Versicherung. Das gilt ganz besonders, wenn in die Ausfallzeiten Feiertage fallen.

Anders ist es nur, wenn die Werkstatt ein perfektes Unfallschaden- Berechnungsprogramm einsetzt, das bis auf den letzten Euro den Maximalschaden errechnet, den Sie vom gegnerischen Versicherer verlangen können. Nur bei Einsatz eines solchen Programms werden Sie nichts verschenken. Damit können Sie sogar alte Unfallschäden (bis 3 Jahre ab Unfalldatum, danach sind sie verjährt) daraufhin nachrechnen, ob Sie damals zu wenig bekommen haben. Wenn ja (fast immer), fordern Sie den fehlenden Betrag von der Versicherung nach.


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