Quotenvorrecht bei Teilschuld (Quote)


Das Quotenvorrecht ist immer dann zu prüfen, wenn zum Unfallzeitpunkt

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Mitverschulden (Teilschuld) vorlag und

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Ihr Kfz gleichzeitig vollkaskoversichert war.

Dann könnte man überlegen:

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Ich melde nur den Haftpflichtschaden bei dem Gegner an. Meinem Vollkaskoversicherer sage ich nichts, denn ich kann den Fahrzeugschaden ohnehin nur einmal bekommen, entweder vom Gegner oder von meinem Vollkaskoversicherer. Der stuft mich außerdem bei der Prämie zurück. Dazu kommt die Selbstbeteiligung, also trage ich lieber die 40% für meine Teilschuld.

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Mrinr eigene Quote ist erheblich, also

melde ich meinen Schaden bei dem Gegner gar nicht, sondern nur bei meinem Vollkaskoversicherer. Dann bekomme ich jedenfalls den Fahrzeugschaden voll ersetzt, auch wenn ich bei der Prämie zurückgestuft werde und die Selbstbeteiligung abgezogen wird.

Beides ist falsch, sogar so grob falsch, dass solche Ratschläge zum Regress führen.

Richtig ist allein:

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Im Fall einer Teilschuld (Quote) und bei gleichzeitigem Bestehen einer Vollkaskoversicherung ist IMMER (!) eine kombinierte Abrechnung über Haftpflicht und gleichzeitig über Vollkasko nach Quotenvorrecht heutiger Stand der Regulierungstechnik. Die Kombination der beiden Ansprüche führt IMMER (!) zu einem meist deutlich höheren Anspruch als jede der beiden Einzelregulierungen allein.

Bei Teilschuld und gleichzeitig Vollkaskoversicherung sind ALLE Unfallregulierungen falsch, die nicht über Quotenvorrecht erfolgten, da der unmittelbare Fahrzeugschaden dann zu niedrig berechnet wurde. Sehen Sie in Ihren Regulierungsunterlagen nach. Kommt dort das Wort "Quotenvorrecht" nicht vor, ist die Berechnung falsch. Wir vermuten, das sind

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100% aller Regulierungen über die Werkstatt

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60% aller Regulierungen über den Anwalt

Zugegeben: Die Berechnung des Quotenvorrechts verlangt Kenntnisse und kann kompliziert werden. Aber das entschuldigt nicht die Tatsache, dass die Berechnung des Quotenvorrechts oder gar der Begriff Quotenvorrecht einer Reihe von Anwälten und Richtern nicht geläufig ist.

Bei dem Quotenvorrecht handelt es sich vereinfacht dargestellt um Folgendes:

Ihr Vollkaskoversicherer zahlt nach Ihrem Unfall (nur) den Fahrzeugschaden in voller Höhe. Damit ist der Hauptposten Ihres Schadens für Sie erledigt. Im Gegenzug geht Ihr Anspruch gegen den Unfallgegner, soweit der Fahrzeugschaden betroffen ist, auf Ihren Vollkaskoversicherer kraft Gesetzes über. Der holt sich bei Ihrem Gegner das, was Sie von dort ansonsten bekommen hätten, durch Zahlung Ihres Vollkaskoversicherers aber bereits bekommen haben.

Das wäre für Sie ein schlechtes Geschäft, denn von dem Fahrzeugschaden, den Ihnen Ihr Vollkaskoversicherer in voller Höhe zahlt, zieht er gleich wieder die Selbstbeteiligung und langfristig die Rückstufung bei der Prämie ab. Also bleibt Ihnen nicht die volle Höhe, sondern trotz Vollkasko nur ein Teil Ihres Fahrzeugschadens. Einen ähnlichen Teil aber hätten Sie vielleicht auch vom Gegner fordern können.

Also sagt der BGH: Wer Aufwendungen für eine Vollkaskoversicherung trägt, muss hierfür bei der Abrechnung mit dem Gegner privilegiert werden bei solche Schäden, die unmittelbar mit dem Vollkaskoversicherungsvertrag, also dem vollkaskoversicherten Fahrzeug zusammenhängen. Den Überhang soll nach BGH nicht Ihr Vollkaskoversicherer kassieren, sondern hiervor sollen zunächst alle Ihre Ansprüche gegen Ihren Unfallgegner ausgeglichen werden, soweit sie unmittelbar mit Ihrem Fahrzeug zu tun haben, und zwar bis zu 100%. Das sind z.B. Selbstbeteiligung, Abschleppkosten, Gutachterkosten etc. Erst wenn diese Positionen zu 100% bezahlt sind, geht der Rest auf Ihren Vollkaskoversicherer kraft Gesetzes über.

Beispiel wie vor, Quote 60:40, Fahrzeugschaden 10.000,-- Euro. Kalkulation:

Der Gegner zahlt auf Ihren Fahrzeugschaden 6.000,-- Euro (= 60%).

Der Vollkaskoversicherer zahlt auf Ihren Fahrzeugschaden 10.000 Euro (= 100%).

Hiervon zieht der Vollkaskoversicherer ab: 300,00 Selbstbeteiligung, 200,00 Prämienrückstufung (mittelfristig), zahlt also unter dem Strich 9.500. Das sind mehr als die 6.000 Euro, die Sie vom Gegner bekommen würden. Somit gehen die 6.000, die Sie vom Gegner bekommen würden, auf ihren Vollkaskoversicherer über, da der diese 6.000 plus weitere 3.500 an Sie bereits gezahlt hat.

Das Gutachten (eigentlich hätte ein Kasko- Gutachten erstellt werden müssen) kostet 200 Euro. Der Gegner zahlt 120 Euro, 80 Euro zahlen Sie selbst (40% von 200). Diese Kosten hängen unmittelbar mit dem Fahrzeug zusammen, also sind sie privilegiert. Jetzt das Quotenvorrecht:

Diese 80 Euro, die Sie selbst zahlen müßten (40% von 200), sind bevorrechtigt. Also gehen auf Ihren Vollkaskoversicherer nicht 6.000 über, sondern nur 6.000 minus 80 = 5.920. Die 80 bleiben bei Ihnen.

Dasselbe passiert mit Abschleppkosten, angenommen 100 Euro. Ihr Anteil = 40 Euro. Also bleiben Ihrem Vollkaskoversicherer nicht mehr 5.920 (6.000 minus 80), sondern 5.880 = 6.000 minus 80 minus 40.

Ähnliches passiert mit der Selbstbeteiligung. Die ist nicht nur in Höhe von 40% (Ihrer Teilschuld), sondern in Höhe von 100% privilegiert, denn Ihr Gegner hat damit nichts zu tun, zahlt hierauf also auch nichts. Das, was Ihnen Ihr Vollkaskoversicherer vom Fahrzeugschaden aus dem Kaskovertrag vorher abzieht, ziehen Sie ihm beim Forderungsübergang wieder ab, also 300 Selbstbeteiligung. Auf den Vollkaskoversicherer gehen also nicht 5.880 über, sondern 5,580 (6.000 minus 80 minus 40 minus 300).

Das können je nach Quote und Schadenhöhe tausende Euro sein.

Hierbei unbedingt die richtige Reihenfolge einhalten: Erst Abrechnung über Kaskoabrechnung, dann über Haftpflichtabrechnung, oder gleichzeitig, aber nicht ohne wechselseitigen Hinweis auf die beabsichtigte kombinierte Abrechnung nach Quotenvorrecht. Nie umgekehrt, nie Haftpflichtabrechnung vor Kaskoabrechnung. Sonst kommt es doch wieder zu Fehlbeträgen.


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