Teilschuld (Quote)


Nicht immer hat der Gegner 100% Schadenersatz zu leisten. Ihr Anspruch verringert sich auf einen Prozentsatz unterhalb von 100% in 2 Fällen:

Fall 1:

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Sie trifft an dem Unfall keine Schuld, aber eine Betriebsgefahr Ihres Fahrzeugs. Das ist immer dann der Fall, wenn von Ihrem Fahrzeug eine atypisch hohe eine Gefahr für die übrigen Verkehrsteilnehmer ausgeht, womit der Fahrer nichts, aber das Fahrzeug zu tun hat. Ein solcher Fall ist eher selten.

Fall 2:

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Sie trifft an dem Unfall ein Mitverschulden. Das kommt häufig vor.

Beispielhaft unterstellt: Ihr Grad des Mitverschuldens beträgt 40%, die des Gegners damit 60%. Jetzt könnte man meinen:

Ich bekomme von der gegnerischen Haftpflichtversicherung 20% meines Schadens (60% minus 40%). Der Gegner bekommt von meiner Haftpflichtversicherung nichts (40% minus 60% ergibt Minus). Das ist unzutreffend. Richtig ist vielmehr:

Der gegnerischen Haftpflichtversicherung zahlt 60% meines Schadens, egal, wie hoch dieser ausfällt. 40 % meines Schadens zahle ich selbst.

Der Gegner bekommt von meiner Haftpflichtversicherung 40% seines Schadens, ebenfalls egal, wie hoch dieser ausfällt. 60 % seines Schadens zahlt er selbst.

Es kann also sein, dass der Gegner wesentlich mehr bekommt als ich, obwohl er einen höheren Anteil am Unfall trägt als ich. Wenn ich nur einen Schaden von 2000 Euro habe, also 1200 Euro vom gegnerischen Versicherer bekomme, kann der Gegner einen Schaden von 10000 Euro haben, also 4000 Euro bekommen. Dabei sollte man nicht vergessen, dass er dann selbst 6000 Euro seines Schadens zahlt.

Da in einem Sachverständigengutachten stets der Gesamtschaden am Fahrzeug unabhängig vom Verschulden festgestellt wird, trägt der Gegner auch an den Kosten für den Sachverständigen nur den Anteil, den er am Gesamtschaden zu tragen hat. Kostet das Gutachten also 200 Euro, zahlt der Gegner 120 Euro, 80 Euro zahle ich selbst (40% von 200). Die Schadenquote schlägt also auf die Kosten des Sachverständigen durch.

Anders bei dem Anwaltskosten (einen fairen Anwalt vorausgesetzt):

Entweder es besteht eine Rechtsschutzversicherung. Dann zahle ich ohnehin nichts. Oder der Anwalt sagt mir bereits in der Beratung, dass ich eine Teilschuld trage von vermutlich 40% und er bei dem Gegner nur 60% meines Gesamtschadens geltend machen werde. Dann trägt der Gegner die gesamten Anwaltskosten, denn der Anwalt macht ja nur 60% und nicht 100% meines Schadens geltend, und diese 60% stehen mir zu. Diese 60% meines Schadens sind also 100% der Summe, die der Anwalt für mich fordert.

War Ihr Fahrzeug zum Unfallzeitpunkt vollkaskoversichert, ist Ihr Schaden

IMMER !!!

nach Quotenvorrecht zu prüfen, denn Ihr Schadenersatzanspruch ist mit Quotenvorrecht IMMER höher als ohne Quotenvorrecht.


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