Kfz Nutzungsausfall Schaden


Unter Nutzungsausfall oder Nutzungsausfall- Entschädigung versteht man den Anspruch, der dadurch entsteht, daß Sie mit Ihrem Fahrzeug nach dem Unfall nicht mehr fahren können, aber trotzdem weiterhin die Kosten für das Kfz wie Steuer, Versicherung, Abschreibung etc. bezahlen müssen.

Der Anspruch auf Nutzungsausfall in € pro Tag wird je nach Fahrzeugtyp zwischen A (niedrigste) und L (höchste) berechnet, also Ausfalltage mal Tagessatz. Den genauen Tagessatz für Ihr Fahrzeug erfahren Sie z.B. bei den Autoclubs, Anwälten, Sachverständigen und Ihrer Versicherung (es sind so um die 4.000 Fahrzeuge gelistet, die hier naürlich nicht dargestellt werden können).

Die folgende Tabelle listet exemplarisch Fahrzeugtypen und Ihren Nutzungsausfall in € pro Tag.

Klasse

Motorräder

Autos z.B.

A

10,--

27,--

Ford Ka, Smart

B

15,--

29,--

Opel Corsa 1,2

C

18,--

35,--

Renault Clio, VW Lupo

D

18,--

38,--

Alfa 147, VW Polo,

E

26,--

43,--

Audi A3 1,8,

F

31,--

50,--

Audi A3 TDI

G

46,--

59,--

Alfa 156, Audi A4

H

56,--

65,--

Audi A6, BMW 525, Mercedes C 320

J

66,--

79,--

Mercedes 320 E, E 280 T, Boxter

K

91,--

Audi A8, Mercedes S 320, E 430 T, 911 Carrera

L

99,--

BMW 740, Mercedes S 500, 911 Turbo

Bei 5-10 Jahre alten Fahrzeugen muss die nächstniedrigere Gruppierung benutzt werden, sofern damit die unterste Klasse A nicht unterschritten wird. Beispiel: Aus Klasse F wird Klasse E, aus Klasse B wird Klasse A, aber aus Klasse A bleibt es bei Klasse A.

Bei über 10 Jahre alten Fahrzeugen müssen 2 Gruppen abgezogen werden, sofern damit die unterste Klasse A nicht unterschritten wird. Beispiel: Aus Klasse F wird Klasse D, aber aus Klasse A oder B bleibt es bei Klasse A. Manche Gerichte sprechen nur die "Vorhaltekosten" zu, etwa 1/3 des Nutzungsausfall -Tabellensatzes.

Nutzungsausfall gibt es aber nur dann, wenn das Kfz tatsächlich ausgefallen ist, also entweder, weil es so beschädigt ist, daß es nicht mehr im Straßenverkehr bewegt werden kann oder (polizeilich) darf, oder weil es in der Werkstatt steht und repariert wird.

Nutzungsausfall entsteht nach der Rechtsprechung aber nicht, wenn Sie

-

zumutbar ein anderes Kfz nutzen können, also Ihren Zweitwagen, Ihren Erstwagen (wenn Ihr Motorrad beschädigt wurde), das Auto Ihrer Frau, wenn die es ihnen gibt etc., oder

-

keine Nutzungsmöglichkeit hatten, sich also im Krankenhaus, auf Urlaubsreise oder Montage befinden. Nutzungsausfall steht ihnen aber dann trotzdem zu, wenn Dritte Ihr Kfz in dieser Zeit üblicherweise genutzt hätten, also z.B. die Familie oder Verwandte.

Haben Sie in dieser Zeit ganz oder teilweise einen Mietwagen genommen, entfällt selbstverständlich für die Mietzeit Ihr Anspruch auf Nutzungsausfall Entschädigung. Beides zusammen geht nicht.

Wann bekomme ich den höchsten Nutzungsausfall?

1. Den mit Abstand höchsten Nutzungsausfall bekommen Sie, wenn Ihr Kfz nach dem Unfall unfallbedingt

-

nicht mehr fahrbereit war

-

oder fahrbereit, aber nicht betriebssicher war

-

oder nicht mehr verkehrssicher war

-

und gleichzeitig die Reparaturkosten über dem Wiederbeschaffungswert des Kfz liegen, aber nicht mehr als maximal 30%. Also z.B. Wiederbeschaffungswert (oder Zeitwert) 4.000,-- €. Reparaturkosten 4.500,-- €.

Warum?

Weil Sie dann einerseits Anspruch haben auf Nutzungs- Ausfallschaden für ausnahmslos alle Tage, die zwischen Unfall und Fertigstellung Ihres Kfz bzw. Zulassung eines Ersatzfahrzeugs auf Sie liegen. Dazu siehe Ziffer 2.

Und weil Sie dann andererseits zusätzlich Anspruch haben auf Nutzungs- Ausfallschaden für die sogenannte Überlegungszeit bzw. Erkundigungszeit, um sich klar zu werden, ob eine Reparatur des Kfz oder die Anschaffung eines Ersatzfahrzeugs für Sie günstiger ist. Diese Überlegungszeit beträgt bis zu 5 Tagen je nach Wert des Kfz vor dem Unfall. Klar: Bei einem Pkw, der vor dem Unfall 20.000,-- € wert war, ist die wirtschaftliche Bedeutung höher als bei einem Kfz für 1.500,-- €. Das hängt immer am Einzelfall, aber 5 zusätzliche Arbeitstage sind fast schon die Regel.

Nutzungsausfallentschädigung während der Überlegungszeit setzt also 3 Dinge voraus:

1 -

Das Kfz darf nach dem Unfall nicht mehr fahrbereit sein. Wenn man nämlich mit den Kfz fahren und sich gleichzeitig erkundigen und nachdenken kann, entsteht kein Ausfall.

2 -

Die Reparaturkosten müssen mindestens so hoch sein wie der Wiederbeschaffungswert des Fahrzeuges, sonst bekommt man nur den für die Reparatur notwendigen Betrag erstattet.

3 -

Die Reparaturkosten müssen andererseits weniger als 30 % über dem Wiederbeschaffungswert des Fahrzeuges liegen, sonst bekommt man nur den für ein Ersatzfahrzeug notwendigen Betrag erstattet.

Nur wenn die Punkte 1 - 3 erfüllt sind, also das Kfz nicht mehr fahrbereit ist und gleichzeitig die Kosten für die Reparatur zwischen 100% und 130% eines Ersatzfahrzeugs liegen, billigt die Rechtsprechung eine Überlegungszeit von bis zu 5 Tagen zu. Man soll sich informieren und überlegen können, ob eine Reparatur wirtschaftlich noch sinnvoll ist oder ob man sich statt dessen ein Ersatzfahrzeug anschaffen und auf Totalschadenbasis abrechnen soll. Das ist ja keine einfache Entscheidung.

Streitig ist, ob sich die Überlegungszeit um arbeitsfreie Tage (Wochenende, Feiertage) verlängert. Wir meinen ja, denn man kann nur überlegen, wenn man sich gleichzeitig bei Händlern, Werkstatt und Sachverständigen informiert. Das geht nur an Werktagen.

Wenn das Fahrzeug nach dem Unfall nicht mehr fahrbereit war, ist die Berechnung der Tage, für die Nutzungsausfall gezahlt werden muss, meist recht schwierig und zeitaufwendig.

2. Den danach höchsten Schadenersatz bekommen Sie dann, wenn Ihr Kfz nach dem Unfall nicht mehr fahrbereit war. Warum?

Weil Sie dann u.a. Anspruch haben auf Nutzungs- Ausfallschaden für ausnahmslos alle Tage, die zwischen Unfall und Fertigstellung Ihres Kfz bzw. Zulassung eines Ersatzfahrzeugs auf Sie liegen. Dazu zählen auch

- Feiertage,

- die Zeit, in der Sie auf das Gutachten warten, auch wenn der Gutachter langsam arbeitet,

- die Zeit, in der Sie auf einen Reparaturtermin der Werkstatt warten,

- die Zeit der Reparatur auch dann, wenn sie länger dauert als normal, z.B. weil die Werkstatt auf Ersatzteile wartet oder Mitarbeiter ausfallen.

Weil Sie dann u.a. Anspruch haben auf Nutzungs- Ausfallschaden für ausnahmslos alle Tage, die zwischen Unfall und Fertigstellung Ihres Kfz bzw. Zulassung eines Ersatzfahrzeugs auf Sie liegen.

3. Mittleren Schadenersatz bekommen Sie, wenn Ihr Kfz nach dem Unfall zwar noch fahrbereit war, inzwischen aber repariert wurde. Warum?

Weil Sie dann wenigstens Anspruch haben auf Nutzungs- Ausfallschaden für die Tage, an denen Ihr Kfz unfallbedingt zur Reparatur in der Werkstatt stand, und auf die Tage, an denen das Kfz eventuell länger als erwartet in der Werkstatt stand, z.B. weil die Werkstatt auf Ersatzteile wartet oder Mitarbeiter ausgefallen sind.

4. Den geringsten Schadenersatz bekommen Sie, wenn Ihr Kfz nach dem Unfall noch fahrbereit war und bisher auch noch nicht repariert wurde. Warum?

Dann gibt es keinen Nutzungs- Ausfallschaden, denn Sie können das Kfz trotz des Unfalls weiter nutzen, haben also keinen Ausfall.

Zwischen einem Kfz, das nach dem Unfall nicht mehr fahrbereit war und einem Kfz, das nach dem Unfall weiterhin uneingeschränkt fahrbereit war, können also ohne weiteres viele hundert oder gar tausend € liegen.


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