Mietwagenkosten


Während der Reparaturdauer bzw. bis zur Anschaffung eines Ersatzfahrzeugs können Sie Entschädigung für Nutzungsausfall verlangen.

An Stelle dieser Entschädigung für Nutzungsausfall können Sie auch einen Mietwagen nehmen. Bei der Anmietung eines Autos besteht aber manche Falle:

1. -

Versicherungen erstatten oft nicht die gesamte Mietwagenrechnung, sondern kürzen um einen Prozentsatz wegen ersparter eigener Betriebskosten. Klar, wenn Sie mit einem fremden Auto fahren, nutzen Sie ihr eigenes weniger ab, wofür Sie ausgleichspflichtig sind. Dieser Abzug ist vom Grunde her also berechtigt.

Manche Versicherungen übertreiben aber, indem sie aus heutiger Sicht stolze 15% abziehen. Diese 15% sind total überholt und stammen aus einer Zeit (OLG Frankfurt zfs 1987, 327; KG VersR 1989, 56), als Autos eine Lebenserwartung von rund 10 Jahren hatten. Trotzdem hält das Kammergericht Berlin als einziges Gericht weiter an diesem antiquierten Wert fest.

Manche Gerichte (selten) halten 10% für angemessen (OLG Hamm 13 U 149/99; LG Erfurt 2 S 3/04 vom 04.06.2004), die große Mehrzahl 3% (OLG Nürnberg 9 U 672/00 vom 10.05.2000; AG Beckum 13 C 402/99 vom 28.3.2000), manche 0% (bei älteren Fahrzeugen mit hoher Kilometerleistung und gleichzeitig kurzer Mietzeit eines Ersatzfahrzeugs: Hier sei die die Einsparung nicht messbar). Offen bleibt bei fast allen Urteilen: Warum ausgerechnet 15% oder 10% oder 3% oder 0%, warum nicht 2% oder 3,2% oder 80%?

Als einziges Gericht machte sich das LG Aschaffenburg (1 S 156/99 vom 11.11.1999) die Mühe einer konkreten Berechnung. Ansonsten entscheiden Gerichte je nach politischem Standort aus dem Bauch oder schreiben bei anderen Gerichten ab. Von Mehrheitsentscheidungen, die nach demokratischen Grundsätzen zur Vereinheitlichung der deutschen Rechtsprechung von der Minderheit zu akzeptieren sind, haben deutsche Richter noch nichts verstanden.

2. -

Sie dürfen nicht den erstbesten Mietwagen nehmen, der sich nachträglich als zu teuer herausstellen könnte. Sie müssen - im vernünftigen Rahmen - Preisvergleiche anstellen, so wie jeder das machen würde, wenn er für eigenes Geld einen Mietwagen anmieten würde. Erfragen Sie bei vielleicht 3 - 5 Autovermietern die Preis und wählen Sie danach aus. Ganz wichtig aber: Da Sie Ihre Erkundigung nach Preisen später eventuell beweisen müssen, sollten Sie sich aufschreiben, wann Sie mit wem telefoniert haben.

Auch hier übertreiben manche Versicherer: Zum Beweis, daß man angeblich zu teuer gemietet habe und sich deshalb hohe Abzüge gefallen lassen müsse, schicken sie Preislisten von Spezialanbietern aus irgendwo im Bundesgebiet. Lassen Sie sich nicht darauf ein. So etwas geht bei keinem Gericht durch.

Wohnt man z.B. in Hannover, dann nimmt man sich nach einigen Preisvergleichen natürlich einen Mietwagen aus Hannover und telefoniert nicht bis zum Bodensee, um dort vielleicht einen lokalen Vermieter zu finden, der ein rotes Auto mit blauen Punkten von Donnerstag Nachmittag bis Montag Mittag zum Sonderpreis anbietet.

3. -

Häufig hört man: Wer eine Ersatzfahrzeug mietet, das in den Preislisten eine oder mehrere Klassen tiefer liegt als das eigene unfallbeschädigte Fahrzeug liegt, dem ziehe man die sogenannte ersparte Eigenaufwendung (siehe Ziffer 1) nicht ab.

Das ist in dieser Allgemeinheit leider nicht zutreffend. In Gesetz und Rechtsprechung gibt es hierfür keine Grundlage, auch wenn eine solche Regelung für alle Beteiligten vernünftig wäre. Nur einige Versicherungen handeln so, je nach Sachbearbeiter und Tagesform.

Andere Versicherungen warten nur darauf, daß Sie kostenbewußt eine kleinere Auto Klasse anmieten. Dann ziehen sie Ihnen trotzdem die Eigenersparnis von den Mietwagenkosten ab.

Verlassen Sie sich nicht auf Gerichte. Sie unterscheiden auch hier völlig unterschiedlich mit teils geradezu überraschend absurden Begründungen.

4. -

Zu große Sparsamkeit wird nicht honoriert:

Fahren Sie mit dem Mietwagen nämlich weniger als durchschnittlich 30 km pro Tag, zahlt die Gegenseite Ihre Kosten für den Mietwagen nicht etwa nur in anteiliger Höhe, sondern gar nicht. Dann soll es Ihnen zuzumuten sein, öffentliche Verkehrsmittel oder Taxen zu benutzen. So jedenfalls die überwiegende Rechtsprechung.

Benutzen Sie aber Taxen, versucht man, deren Kosten von dem Nutzungsschaden abzuziehen, der Ihnen bei Nichtbenutzung eines Mietwagens ersetzt wird.

Daher sollte man darauf achten, mit einem Mietwagen im Schnitt mindestens 30 km pro Tag zu fahren.

5. -

Oft werden spezielle Unfalltarife angeboten, die teuerer sind als Normaltarife. Dies wird u.a. damit begründet, dass bei Normaltarifen der Kunde abgesichert durch z.B. Kreditkarten spätestens nach Rückgabe des Kfz zahlt. Bei einer Vermietung nach einem Unfall müsse der Vermieter oft monatelang auf Zahlung warten und habe Forderungsausfälle, soweit den Mieter eine Haftungsquote treffe und dieser unpfändbar sei.

Das ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Ob aber wegen dieser zusätzlichen Risiken der Preis für den Mietwagen mit Unfalltarif 100% höher liegen muss als im Normalfall wollen wir nicht kommentieren. Jedenfalls werden diese hohen Sätze inzwischen von Gerichten nicht mehr durchgängig anerkannt. Trotzdem ist das Risiko für den Geschädigten durch Anmietung eines Kfz zum Unfalltarif mittlerweile gering:

Weiß der Mieter nicht, dass der Unfalltarif für den Ersatzwagen wesentlich höher ist als der Normaltarif für Selbstzahler und klärt ihn der Vermieter nicht unmissverständlich über hieraus drohende Probleme mit der Versicherung bei der Regulierung auf, haftet der Autovermieter gegenüber dem Mieter auf den Differenzbetrag (BGH XII ZR 50/04 vom 28.06.2006).


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