Wie finde ich einen guten Sachverständigen ?


Nicht immer ist sachverständig, wer sich "Gutachter" oder "Sachverständiger" nennt. Diese Bezeichnungen sagen nichts über eine Qualifikation aus, da sie nicht geschützt sind. Es gibt Sachverständige mit akademischem Titel (Prof., Dr.), mit Examen an einer Technischen Hochschule und akademischem Grad (Dipl.-Ing.), mit Techniker- Prüfungen, mit Meisterprüfungen. Aber es gibt leider auch "Gutachter", die keinerlei nennenswerte Ausbildung haben und trotzdem als "Sachverständiger" auftreten. Versuchen Sie also, vor Erteilung eines Auftrags die Qualifikation in Erfahrung zu bringen. Was hilft Ihnen ein "Sachverständiger", dessen Gutachten von den Sachverständigen der Versicherungen mühelos zerpflückt wird.

Außerdem erkennen Versicherungen Kosten für die Gutachterrechnung nur dann als unfallbedingten Schaden an, wenn der Gutachter zumindest ausreichend qualifiziert ist. die Rechtsprechung folgt dieser Betrachtung, was bedeutet: Wer einen nicht qualifizierten Gutachter beauftragt, erhält dessen Kosten für das Gutachten nicht ersetzt.

Zunehmend gehen Gerichte dazu über, Gutachtern bei nicht ausreichender Qualifikation die Führung der Bezeichnung "Gutachter" oder "Sachverständiger" zu untersagen. Für Gutachter von Kfz-Schäden bedeutet dies mindestens den Nachweis einer abgeschlossenen Berufsausbildung im Kfz- Handwerk in Verbindung mit mehrjähriger gutachterlicher Tätigkeit z.B. in einem SV- Büro oder vergleichbar einer Versicherung.

Manche Sachverständige arbeiten vorwiegend oder gar ausschließlich für Versicherungen. Sie können also wirtschaftlich von Versicherungen abhängig sein und deswegen versicherungsfreundliche Gutachten erstellen, bei denen sich Geschädigte ganz besonders schlecht stehen. Gerne werden dann die für eine Reparatur notwendigen Tage unrealistisch kurz angesetzt und der Minderwert vergessen.

Die Gefahr, daß Sachverständige ausschließlich oder vorwiegend für Versicherungen arbeiten, besteht besonders bei großen oder gar überregional tätigen Sachverständigen- Organisationen wie etwa DEKRA. Die können schon allein auf Grund ihrer Größe nicht von Privataufträgen leben und wurden teilweise sogar von der Versicherungswirtschaft ins Leben gerufen.

Grundsätzlich gilt: Je kleiner das Büro des Sachverständigen, um so geringer ist die Gefahr einer wirtschaftlichen Abhängigkeit von Versicherungen. Das muß aber nicht immer und überall so sein.

Selbst vereidigte Sachverständige bieten nicht immer Gewähr, neutral zu sein. Über die Frage, wer vereidigt wird und wer nicht, entscheidet die örtliche Industrie- und Handelskammer. In deren Entscheidungsgremien sitzen auch Leute der Versicherung. Wen Versicherungen nicht mögen, wird kaum mit Vereidigung rechnen können. Versicherungen mögen keine Gutachter, die höhere Schäden feststellen als Gutachter der Versicherungen.

Wie also finde ich einen Sachverständigen, der mir nicht schadet ?

Fragen Sie zunächst Unfall-Anwälte und Werkstätten nach Namen und Telefonnummern, auch wenn Sie die nicht kennen. Auch Bekannte und Gelben Seiten der Telefonbücher können helfen. Dann rufen Sie ungeniert Sachverständige der Reihe nach an. Wir haben eine Liste von Fragen zusammengestellt, die Sie dem Gutachter schon am Telefon stellen sollten, noch bevor Sie einen Besichtigungstermin vereinbaren. Der Gutachter wird sich zwar wundern, woher Sie Ihre Kenntnisse haben, aber das kann nicht schaden.

Beantwortet der Gutachter auch nur eine Frage nicht wie in der Antwort vorgesehen, bedanken Sie sich für das Gespräch und rufen den nächsten Gutachter an.

Frage 1:

Geben Sie bei voraussichtlicher Abrechnung auf Totalschadenbasis den Wiederbeschaffungswert des Fahrzeugs mit gesonderter MwSt an oder als Brutto- Preis ohne MwSt ?

gewünschte Antwort:

"Nur Brutto- Preis ohne MwSt"

Frage 2:

Weisen Sie in Ihrem Gutachten insbesondere bei Fahrzeugen der niedrigen Preisklasse bei voraussichtlicher Abrechnung auf Totalschadenbasis auf die aktuelle MwSt-Problematik hin ?

gewünschte Antwort:

"Ja"

Damit Sie bei der Schadensregulierung zur MwSt speziell bei Abrechnung auf Totalschadenbasis nicht völlig untergehen, sollte Ihrem Gutachter die Problematik hierzu bekannt sein und der Gutachter Ihre Rechtsansicht teilen.

Er sollte also, falls über Totalschadenbasis abgerechnet wird, bereits im Gutachten darauf hinweisen, sofern das den Tatsachen entspricht (vermutlich), daß nach seiner Feststellung auf dem Gebrauchtwagenmarkt keine Fahrzeuge in der Art des zerstörten Fahrzeugs mit dem vollen MwSt- Satz angeboten werden. Nur dann besteht die Möglichkeit für Versicherer, den Brutto- Preis des Fahrzeugs ohne Abzug der MwSt zu zahlen. Anderenfalls müssen Sie damit rechnen, daß Ihr MwSt- Schaden nicht reguliert wird.

Beantwortet der Gutachter diese Fragen zu ihrer Zufriedenheit, vereinbaren Sie mit Ihm einen Termin, denn dann scheinen Sie einen neutralen und gut informierten Gutachter gefunden zu haben.


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