Fiktive Reparaturkosten


sind die Reparaturkosten, die

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bei üblicher Reparatur anfallen würden, aber

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im konkreten Fall nicht oder nicht in der Höhe der üblichen Reparaturkosten entstanden sind, aus welchen Gründen auch immer.

Der Bundesgerichtshof (BGH) beendete seit 2003 mit 3 Urteilen eine bisweilen uneinheitliche Rechtsprechung der unteren Gerichte, die teilweise beim Ersatz «fiktiver» Reparaturkosten größere Abzüge vorgenommen hatten. Die Karlsruher Richter ließen allerdings offen, ob dies auch dann gilt, wenn die Reparatur teurer ist als der Zeitwert des Autos (Aktenzeichen: VI ZR 393/02 u. 398/02 vom 29. April 2003).

Fall 1:

Auch wer sein beschädigtes Auto selbst repariert, so der BGH, kann von der Versicherung des Unfallverursachers den vollen Preis einer Werkstattreparatur verlangen. Nach einem Urteil des BGH gilt dies auch dann, wenn die Reparatur nicht «fachgerecht» war - etwa, weil ein demolierter Kotflügel nicht ersetzt, sondern lediglich ausgebeult und nachlackiert worden ist.

Der BGH gab einem Karosseriebaumeister Recht, der sein Auto in Eigenregie wieder fahrtüchtig gemacht hatte. Er forderte die von einem Gutachter geschätzten Werkstattkosten. Die Versicherung verweigerte die Erstattung der vollen Summe, weil er den Wagen zwar verkehrssicher gemacht, aber nicht nach Werkstattstandards repariert habe.

Fall 2:

Fahrer von Nobelautos (im BGH Fall ein Porsche) dürfen bei der Versicherung des Unfallverursachers die teuren Stundensätze der Markenwerkstatt abrechnen - auch dann, wenn das Auto gar nicht repariert wurde.

Der Porschefahrer hatte seinen demolierten Wagen ohne vorherige Instandsetzung verkauft und von der Versicherung den im Gutachten genannten Preis für eine «Porsche-Reparatur» in einer Porsche- Werkstatt verlangt. Nach einem Dekra-Gutachten lag dies rund 2500 € über den ortsüblichen Werkstattpreisen. Laut Bundesgerichtshof dürfen Porschefahrer aber zu «Porschepreisen» abrechnen, und der Geschädigte darf frei entscheiden, wie er den erlittenen Schaden ausgleichen will.

Fall 3: VW-Urteil BGH Urt. v. 20.10.2009; VI ZR 53/09
Hiernach kann man bei fiktiver Abrechnung nur dann ausschließlich den markenspezifischen Verrechnungssatz zu Anwendung bringen, wenn das beschädigte Fahrzeug nicht älter als 3 Jahre ist oder in der Marken-Werkstatt durchgehend checkheftgepflegt und dort auch alle anfallenden Reparaturen durchgeführt wurden. Andernfalls ist der Versicherer berechtigt, auf günstigere Verrechnungssätze von markenungebundenen Fachwerkstätten zu verweisen.

In letzter Zeit tauchen im Auftrag der Versicherer wieder mal Organisationen wie Control-Expert GmbH etc. oder sogar auf dem Markt bereits etablierte Gutachter-Organisationen auf, die Reparaturkosten in Unfallgutachten unabhängiger Sachverständiger zusammenstreichen. Das erfolgt unter Hinweis auf die oben genannte Rechtsprechung mancher Untergerichte. Die war wie gesagt ganz vereinzelt und entsprach nicht der Rechtslage. Das hat der BGH jetzt unmißverständlich klargestellt.

Lassen Sie sich also von den Gegengutachten solcher Organisationen nicht beeindrucken. Sie sind in der Regel falsch, und das wissen sowohl diese Organisationen wie auch die Versicherer, von denen sie beauftragt werden.


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