Wie finde ich einen guten Unfall- Anwalt ?


Schritt 1:
Beauftragen Sie nicht einfach irgend einen Anwalt, sondern unbedingt einen Anwalt für Unfallsachen. Ein guter Scheidungsanwalt oder guter Anwalt in Mietsachen muß nicht gleichzeitig ein guter Anwalt für Unfallsachen sein und umgekehrt.

Fragen Sie nicht Ihre Versicherung oder gar die gegnerische Versicherung. Dort wird man Ihnen nur Anwälte nennen, die bei Unfällen die Interessen der Versicherung besonders gut vertreten.

Unwichtig ist, ob der Anwalt in einem großen oder kleinen Anwaltsbüro arbeitet. Auch die Größe des Briefkopfs sagt nichts über die Qualifikation, oft im Gegenteil: Große Anwaltsbüros vertreten oft Firmen und haben nur selten Spezialisten für Unfallsachen. An Verkehrsunfällen ist für den Anwalt nicht viel zu verdienen. Meist bekommt der Anwalt sogar weniger als der Gutachter bei deutlich mehr Arbeit.

Schritt 2
Fragen Sie überall nach Telefonnummern von Unfall-Anwälten, z.B. bei Werkstätten, Gutachtern, Bekannten. Auch die gelben Seiten der Telefonbücher können helfen. Haben Sie Namen und Telefonnummern beisammen, rufen Sie ungeniert bei den Anwälten der Reihe nach an und fragen nach, wie dieser Anwalt seine Unfallsachen normalerweise abwickelt, denn nur das ist für Sie entscheidend.

Wir haben für Sie eine Liste von Fragen zusammengestellt, die Sie dem Anwalt schon am Telefon stellen sollten, noch bevor Sie einen ersten Besprechungstermin vereinbaren. Je nach Antwort des Anwalts wissen Sie dann, ob Sie einen Unfall- Spezialisten vor sich haben, der Ihre Interessen optimal vertritt, oder eben nicht. Der Anwalt wird sich zwar wundern, woher Sie Ihre Kenntnisse haben, aber das kann nicht schaden.

Beantwortet der Anwalt auch nur eine einzige Frage mit nein, bedanken Sie sich für das Gespräch und rufen den nächsten Anwalt an.

Fragen an den Anwalt:

Frage 1:

Ich hatte einen Verkehrsunfall. Sind Sie oder ein Kollege in Ihrem Büro spezialisiert in Unfallsachen?

Frage 2:

Ich bin nicht rechtschutzversichert. Nach welchem Streitwert berechnen Sie mir Ihr außergerichtliches Honorar?

A:

Nach einer Honorar-Vereinbarung?

B:

Ohne Berücksichtigung einer Quote, falls mich ein Mitverschulden treffen sollte?

C:

Nach der Summe, die Sie unter Berücksichtigung einer Quote errechnen?

D:

Nach der Summe, welche die Versicherung unter Berücksichtigung einer Quote errechnet?

Frage 3:

Welche Zahlungsfristen setzen Sie der Versicherung und ab wann klagen Sie gegen die Versicherung?

Frage 4:

Angenommen, die Versicherung zahlt meine Forderung nicht in voller Höhe und ein Restbetrag ist offen. Klagen Sie diesen Restbetrag auch dann für mich ein, wenn zwischen dieser Versicherung und dem Deutschen Anwaltsverein ein Gebühren- Rahmenabkommen besteht (RVG Faktor 1,8 bis 2,7 statt 1,3 RVG, früher 15/10 ("fünfzehn Zehntel") BRAGO Regelung genannt)?

Frage 5:

Ich habe möglicherweise eine Teilschuld, aber ich bin vollkaskoversichert. Soll ich statt über Haftpflicht besser über Vollkasko abrechnen?

Ich hatte einen Verkehrsunfall. Sind Sie oder ein Kollege in Ihrem Büro spezialisiert in Unfallsachen?

Bei einer Antwort "nein" ist der Anwalt seinem ptentiellen Mandanten gegenüber ehrlich, aber für die Abwicklung Ihres Falls kaum geeignet.

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Ich bin nicht rechtschutzversichert. Nach welchem Streitwert berechnen Sie mir Ihr außergerichtliches Honorar?

Lautet die Antwort wie A, B oder C und nicht wie D, bedanken Sie sich für das Gespräch und rufen den nächsten Anwalt an. Warum?

A:

Honorar-Vereinbarungen liegen immer über den gesetzlichen Gebühren, sind also nur vertretbar bei unverhältnismäßig hohem Arbeitsaufwand bei hierzu vergleichsweise geringem Streitwert. Kommt bei Unfall Sachschäden praktisch nie vor. Eine Honorar-Vereinbarung könnte im Gegenteil darauf schließen lassen, dass der Anwalt auch bei aussichtsreichen Unfallsachen wegen angeblich bereits abzusehenden hohen Aufwands künstlich Probleme herbeiredet.

B:

Aus der Unfallschilderung sollte ein Anwalt bereits einigermaßen abschätzen können (aber nur wenn ihm der Mandant auch wirklich die Wahrheit sagt !!), ob den Mandanten eventuell ein Mitverschulden treffen könnte, ob also zu seinen Lasten eine Quote zu berücksichtigen sein wird. Dann ist diese Quote beim Streitwert immer zu berücksichtigen.

C:

Berechnet Ihnen der Anwalt sein Honorar nach dem Betrag, den er errechnet hat, kann es sein, dass er - vielleicht zu Unrecht - zu viel errechnet hat. Dann zahlt die gegnerische Versicherung (zu Recht) Ihren Schaden und das Anwaltshonorar nur teilweise, nämlich nach dem Betrag, den sie errechnet und anerkannt hat. Dass in solchen Fällen der Anwalt den hiernach fehlenden Rest zu seinem Honorar trotzdem verlangt, ist die große Ausnahme bei guten Anwälten für Unfallsachen.

D:

Berechnet Ihnen der Anwalt sein Honorar nach dem Betrag, den er errechnet hat, und den die Versicherung ebenfalls errechnet hat (so sollte es im wesentlichen eigentlich sein), dann kostet Sie der Anwalt nichts. Sein Honorar wird dann von der gegnerischen Versicherung voll bezahlt.

Stellen Sie die Frage 2 ruhig auch dann, wenn Sie rechtsschutzversichert sind. Zwar stellt sich dann die Kostenfrage für Sie nicht, aber Sie kennen die Einstellung des Anwalts zu seinem Honorar.

Achtung: Wir sprechen hier nur über außergerichtliches Honorar, nicht über Honorar im Falle einer Klage. Aber ob Sie letztlich Klage einreichen oder nicht, entscheiden Sie ganz allein, nicht der Anwalt. Jedenfalls im außergerichtlichen Verfahren dürfte Sie die anwaltliche Vertretung also im Falle D: nichts kosten.

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Welche Zahlungsfristen setzen Sie der Versicherung und ab wann klagen Sie gegen die Versicherung?

Setzt der Anwalt längere Zahlungsfristen als 3 Wochen ab seiner ersten Schadenmeldung, oder wartet er danach mehr als eine Woche mit der Klage, oder gibt er ausweichende Antworten wie "Das ist unterschiedlich." oder "Das können wir jetzt noch nicht sagen.", bedanken Sie sich für das Gespräch und rufen den nächsten Anwalt an.

Warum?

Üblich sind Zahlungsfristen zwischen 2 und 3 Wochen. Alles, was darüber liegt, signalisiert der Versicherung, daß der Anwalt den Fall nicht mit der nötigen Härte und Energie anfaßt oder daß er es sich mit der Versicherung nicht verderben will, was immer auf Ihre Kosten geht.

Dasselbe gilt, wenn der Anwalt nach Ablauf der Zahlungsfrist mehr als eine Woche wartet, bevor er die Klage erhebt. Es gibt Anwälte, die der Versicherung monatelang immer wieder neue Fristen setzen in der Hoffnung, die Versicherung werde schon noch zahlen, während eine zügige Klageerhebung die Versicherung längst zur Zahlung bewegt hätte.

Wenn nämlich Klage erhoben wird, muß der Sachbearbeiter der Versicherung den Fall abgeben und die Akte an die Rechtsabteilung der Zentrale schicken. Dabei muß er begründen, warum er die Klage mit deren zusätzlichen Kosten für die Versicherung nicht verhindert hatte. Diese Begründung muß Hand und Fuß haben, denn in der Zentrale sitzen Profis, welche die Leistungen des Sachbearbeiters bei der Regulierung benoten. Außerdem muß jede Klage in die Statistik der Versicherung aufgenommen werden, also erfährt das Bundesaufsichtsamt für Versicherungswesen in Berlin (heute: Bundesamt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin, Postfach 1308 in 53117 Bonn) davon. Das wiederum ist bei Versicherungen unerwünscht, da sie pro Jahr nur einen gewissen Prozentsatz aller Schadenfälle zur Klage bringen dürfen. Ganz unangenehm ist es, wenn die Klage sogar als verloren in der Statistik steht. Versicherungen versuchen also möglichst zu verhindern, bei relativ klarer Rechtslage verklagt zu werden.

Also ist ein Anwalt, der bei klarer Rechtslage immer wieder neue Zahlungsfristen setzt ohne danach zu klagen, für die Versicherung ein harmloser "Papiertiger".

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Angenommen, die Versicherung zahlt meine Forderung nicht in voller Höhe und ein Restbetrag ist offen. Klagen Sie diesen Restbetrag auch dann für mich ein, wenn mit dieser Versicherung eine RVG Faktor 1,8 bis 2,7 (früher 15/10) Regelung besteht?

Gibt der Anwalt eine ausweichende Antwort wie "Das ist unterschiedlich." oder "Das können wir jetzt noch nicht sagen.", bedanken Sie sich für das Gespräch und rufen den nächsten Anwalt an. Warum?

Jetzt müssen wir leider in Einzelheiten gehen. Sie können die Erklärung für diese Frage aber auch überspringen und sich damit begnügen, daß sie dem Anwalt einfach diese Frage stellen und seine Antwort abwarten. Der Anwalt weiß nämlich ganz genau, was Sie meinen, und um die Antwort hierzu wollen sich manche Anwälte herumdrücken.

Falls Sie aber wissen wollen, welche Brisanz hinter dieser Frage steckt, lesen Sie bitte weiter unter Was steckt hinter der "RVG Faktor 1,8 (früher 15/10 BRAGO) Regelung" ? Was dort steht, ist sogar den meisten Richtern unbekannt:

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Ich habe möglicherweise eine Teilschuld, aber ich bin vollkaskoversichert. Soll ich besser über Vollkasko abrechnen?

Bei Haftungsquote und Vollkaskoversicherung MUSS Ihnen der Anwalt empfehlen, den Fahrzeugschaden über Vollkasko und gleichzeitig den Gesamtschaden über Haftpflicht und Quotenvorrechtabzurechnen. Alles andere wäre eine Falschberatung: Mit der gleichzeitigen Abwicklung über Kasko und Haftpflicht bekommen Sie IMMER mehr als über Kasko ODER Haftpflicht, oft trotz hoher Quote praktisch den Gesamtschaden.

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